Jan 7 2009

Erfolgsgeschichte von Justin.tv

Die Idee von Justin Kan, dem Gründer von Justin.tv, ist schnell erzählt. Doch mindestens ebenso verrückt klingt sie. Der damals 23-jährige Yale-Absolvent wollte sein Leben der ganzen Welt preisgeben indem er mit einer Kamera ausgerüstet permanent filmte. Dieses Material stellte er live ins Internet, damit es jeder sehen kann, der daran interessiert ist. Somit bewerkstelligt er eine Umkehr des traditionellen Überwachungswegs. In Zeiten von Bundestrojanern und Überwachungsstaat ein aktuelles Thema.

Und so begann es am 19. März 2007.

Bereits nach kurzer Zeit hatte er eine enorme Fanbasis. Und viele dieser Leute waren von dieser Idee begeistert und wollten es ihm nach machen. So passierte es, dass Justin.tv eine Webseite wurde, wo jeder einen Livestream in die Welt senden konnte.

Die Verwendung heute ist breit gestreut. Es gibt momentan 17 verschiedene Kategorien in denen gestreamt werden kann: Producers, Social, Music, Gaming, Sports, News, Entertainment, Pets, Comedy, Fashion, Technology, Auto, How-to, Events, Non-Profit, Travel und Celebrity.
So senden in der Social-Kategorie regelmäßig eine oder mehrere Personen, meist per Webcam, live aus ihrem Leben. Dort gibt es gelegentlich spannende und lustige Geschichten von Menschen aus der ganzen Welt. Doch da man bei Justin.tv kaum Kontrollen unterlegen ist und schon gar keiner Qualitätskontrolle, gibt es in dieser Kategorie stellenweise auch sehr langweilige Streams, wo rein gar nichts passiert.
Und somit kommen wir zum zweiten Problem von Justin.tv: Durch die geringen Kontrollen wird der Streaming-Service, besonders in der Sports-Kategorie, missbräuchlich verwendet. Inzwischen hat sich ein weltweite solidarisches Netz gebildet, das untereinander Sportprogramme überträgt. Dabei wird einfach das Fernsehsignal, per Software direkt ins Internet gesendet. So werden alle möglichen Sportevents, die anderswo nicht oder nur im Bezahl-Fernsehen zu sehen sind, für jeden der daran interessiert ist möglich zu gucken. So senden beispielsweise US-Amerikaner NFL, NBA oder NHL Spiele, die oft nicht mal bei Premiere übertragen werden, über das Netz an den heimischen Computer. Als Gegenleistung überträgt dann jemand aus Deutschland Spiele aus der Bundesliga oder als besseres Beispiel dem DFB-Pokal, der vermutlich im Gegensatz zur Bundesliga weltweit kaum Beachtung findet bei den Fernsehsendern.

Eine weitere Funktion, die sich besonders großer Beliebtheit erfreut ist die Möglichkeit das gesehen live zu kommentieren. Jeder der sich den Livestream ansieht, kann im Chatfenster neben dem Bild, mit anderen die sich den Stream anschauen kommunizieren.

Inzwischen haben sich eine Nachahmer-Seiten gebildet. Die bekanntesten Livestreamsites dürften die folgenden sein:

Zum Schluss noch zu einem traurigen Themen, das die Gefahren von Livestreams noch mal deutlich macht. Der 19 jährige Abraham aus den USA beging im November 2008 Selbstmord vor laufender Kamera. Auch hier hatten wieder die Kontrollmechanismen versagt.

Nichtsdestotrotz bin ich ein großer Fan von Livestreaming. Schaut einfach mal bei Justin.tv vorbei und macht euch selbst ein Bild!

1 Comments on this post

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  1. Wattwurm (1 comments) said:

    justin hat viel losgetreten – sehr viel – die Sportstreamer sind ein Beispiel was alles intelligente Nutzung des web ermöglicht – aber das ist nur eine Möglichkeit von hunderten anderen
    -atemberaubendes justin.tv-

    Mai 15th, 2010 at 12:50 pm

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